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16. März 2018

Elementare Erfahrungen statt klassischer Erklärungen

Universitäts-Projekt „Inklusive Dom-Erkundungen“ mit großer Resonanz

Paderborn, 16. März 2018 (pdp). Rund 30 Schülerinnen und Schüler der dritten Klasse aus der Marienschule in Paderborn tummelten sich am Freitag neugierig im Paradiesportal des Hohen Doms zu Paderborn. Sie warteten auf den Beginn einer Domerkundung der besonderen Art: Unter dem Titel „Was erzählt der Dom von Jesus?“ wurde von Studierenden und Lehrenden der Universität Paderborn eine Führung für inklusive Schulklassen entwickelt, die jetzt mit verschiedenen Klassen von Paderborner Schulen in der Praxis umgesetzt wird – mit großer Resonanz.

Erkundungs-Stationen für inklusive Schulklassen

Der Hohe Dom zu Paderborn hat eine Menge zu erzählen. Davon sind auch Professor Dr. Dr. Oliver Reis und Dr. Theresa Kohlmeyer von der Universität Paderborn überzeugt. Prof. Reis verantwortet am Institut für Katholische Theologie den Bereich Religionspädagogik unter besonderer Berücksichtigung von Inklusion, Dr. Kohlmeyer unterstützt ihn als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Ein Semester lang haben die beiden Experten mit rund zwanzig Lehramts-Studierenden in einem Seminar den Paderborner Dom erschlossen. Als Ergebnis wurden Stationen erarbeitet, an denen inklusiven Schulklassen die Paderborner Bischofskirche näher gebracht wird.

Wie funktionieren die Dom-Erkundungen? Inklusive Schulklassen, vor allem Kinder mit Lern- und emotionalen Schwierigkeiten sowie sehgeschädigte Kinder, erkunden unter Anleitung der Studierenden den Dom und lernen dabei verschiedene Stationen im Kirchenraum kennen – von der Krypta über den Pfau und weitere Tiere im Dom, das Taufbecken oder die Opferstöcke bis hin zu Maria. Drei dieser Stationen werden pro Führung angesteuert, insgesamt dauert diese rund 90 Minuten.

Die Krypta als Ort des tiefen Gebets

Die Paderborner Marienschüler teilten sich heute in drei Gruppen auf, die unter Anleitung der Studierenden den Hohen Dom erlebten. In der Krypta war ein Taizégebet für sie vorbereitet: Einzeln betraten die Kinder mit einer Kerze in der Hand zu den Klängen des Magnificat die Krypta und ließen sich vor den Reliquien des heiligen Liborius zum Gebet und Gesang nieder. „Die Kinder erkennen sofort, dass die Krypta als Raum des Gebets etwas Besonderes ist“, berichtet Dr. Theresa Kohlmeyer von den bisherigen Dom-Erkundungen.

Im Hasenkamp des Hohen Domes erwartete die Kinder unter einer Marienstatue mit Christuskind eine Station, die eben diese Schutzfunktion der Muttergottes deutlich machte. Die dritte „Station“ war eigentlich eher dynamisch und setzte auf eine Raumerfahrung: Zunächst wurden die Grundrisse eines typischen Familienhauses und des Hohen Doms verglichen und Wohnbereiche zugeordnet. Anschließend wurde auf einem Rundweg durch den Dom der Frage nachgegangen, wo die Menschen im Haus Gottes wohnen oder wo sie gemeinsam Mahl halten.

Ein Beitrag zum Domjubiläum

Das Projekt ist ein Beitrag der Universität Paderborn zum 950-jährigen Weihejubiläum des Imad-Doms. Prof. Dr. Oliver Reis und Dr. Theresa Kohlmeyer entwickelten dazu die Idee der inklusiven Domerkundung. Zunächst erhielten die Studierenden und die beiden Lehrenden selber eine fundierte Führung durch den Dom. Anschließend haben sie sich dann den Dom erschlossen und im „Eigen-Versuch“ einander durch die Paderborner Bischofskirche geführt. „In nur einem Semester, also in einem knappen halben Jahr, haben die Studierenden nicht nur den Kirchenraum erschlossen, sondern sich auch die didaktischen Herausforderungen bewusst gemacht und den Praxisplan erarbeitet. Bei den Domerkundungen geht es nicht nur darum, kirchengeschichtliche Erklärungen zu liefern, sondern ganz elementare Ideen erlebbar zu machen, wie zum Beispiel die Krypta als Ort des tiefsten Gebets zu erfahren oder Maria als Schutzpatronin. In dieser Form dürfte dieses Projekt in Deutschland einmalig sein“, erläutert Prof. Oliver Reis nicht ohne Stolz.

Große Resonanz bei den Kindern

Prof. Reis fühlt sich vom Paderborner Metropolitankapitel und auch von vielen weiteren Akteuren rund um den Dom, wie beispielsweise der Domgilde, bestens unterstützt: „Wir sind sehr dankbar, hier die Freiheit zu haben, diese besonderen Dom-Erkundungen machen zu dürfen.“ Dr. Theresa Kohlmeyer ergänzt: „Die Rückmeldungen aus den Schulen sind allesamt toll. Die Kinder nehmen den Dom quasi für sich ein und entdecken ihn auf ihre eigene Art. Das reicht bis zum faszinierten Austesten des Halls im großen Kirchenraum.“ Auch Daniel Born, Projektreferent für das Weihejubiläum des Imad-Doms beim Metropolitankapitel, zieht eine zufriedene Zwischenbilanz: „Es war spürbar, dass die Kinder bei der Domerkundung viel Freude hatten und viel mitgenommen haben.“

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