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16. Oktober 2017

Was sind heilige Orte?

Was sind heilige Orte? Was zeichnet sie aus? Und was unterscheidet sie von nicht-heiligen Orten? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Professor Dr. Dr. Bernd Irlenborn zum Auftakt der Montagsakademie in diesem Wintersemester am Montag, 16. Oktober, im Audimax der Theologischen Fakultät Paderborn. Der Lehrstuhlinhaber für Geschichte der Philosophie und Theologische Propädeutik legte damit den philosophischen Grund für den weiteren Verlauf der öffentlichen Vorlesungsreihe zum Thema „Gott begegnen an heiligen Orten“.

Das 1.000-jährige Bestehen der Bartholomäuskapelle in diesem und das 950-jährige Bestehen des sogenannten Imad-Domes im nächsten Jahr rückten nicht nur die beiden bedeutenden Sakralbauten Paderborns in den Mittelpunkt des Interesses, sagte Professor Irlenborn in seinem Vortrag. Das Doppeljubiläum drängte auch unmittelbar zu der Frage, „was eigentlich heilige Orte sind“.

Zwar sei nach katholischem Verständnis zunächst davon auszugehen, dass kirchliche Bauwerke immer dann als „heilige Orte“ bezeichnet werden können, wenn an ihnen „Gott in der Gemeinschaft der Gläubigen, im Wort, Gebet und Sakrament anwesend ist.“ Um diese Aussage allerdings überhaupt erst treffen zu können, sei jedoch zuvor die grundlegendere Frage dahinter zu klären, nämlich was Orte im Allgemeinen sind und bezeichnen und was sie beispielsweise von Nicht-Orten abgrenzt.

Eine Antwort auf diese Frage zu finden, sei zunächst die Aufgabe der Philosophie, erklärte Professor Irlenborn. Mit der näheren Bestimmung des Ortes hätten sich schon Platon und Aristoteles beschäftigt. Über die Philosophiegeschichte sei die Thematik aber auch heute noch von besonderer Relevanz, denn „Überlegungen, was Orte im Allgemeinen und heilige Orte im Besonderen sind, sind nicht nur zur theologischen Orientierung wichtig.“

Professor Irlenborn machte den Zuhörern im Audimax deutlich, dass „gerade in einer Zeit, in der sich die Grenzen von Ortsbestimmungen im Rahmen globalisierender Einflüsse aufzulösen beginnen, ein theologisches Bewusstsein um die Brüchigkeit und Gefährdung heiliger Orte von großer Bedeutung ist“. Heilige Orte könnten die „Signatur der Heiligkeit leicht verlieren und binnen kurzer Zeit zu musealen Plätzen“ werden. An ihnen würden Menschen dann in erster Linie nicht mehr „in Ehrfurcht und Zweifel Gott begegnen, sondern nur noch materiellen Spuren und Zeugnissen seiner einstigen Gegenwart“.

Anlässlich des Jubiläums von Bartholomäuskapelle und Imad-Dom machte der Paderborner Philosophieprofessor in seinem Fazit darauf aufmerksam, dass es neben dem Blick in die Vergangenheit wichtig bleibe, gerade bei den Veränderungen dieser Zeit auch voraus in die Zukunft zu schauen. „Das Jubiläum ist nicht nur als Erinnerung zu verstehen, dass Christen in der 1.000-jährigen Vergangenheit an solchen Orten Gott verehrt haben, sondern eben auch als Hoffnung, dass dies auch in Zukunft geschehen möge“, sagte Professor Irlenborn.

Aufgrund des Doppeljubiläums der 1.000 Jahre alten Bartholomäuskapelle und der Domkirche auf dem 950 Jahre alten Imad-Fundament behandelt die beliebte Vorlesungsreihe der Theologischen Fakultät Paderborn das Thema „Gott begegnen an heiligen Orten“. Damit soll ein wissenschaftlicher Beitrag zu den beiden Jubiläen in diesem und im nächsten Jahr geleistet werden.

Bei der öffentlichen Vorlesungsreihe Montagsakademie der Theologischen Fakultät Paderborn halten bedeutende Vertreter aus Kirche und Wissenschaft in jedem Wintersemester immer montags um 18.00 Uhr im Auditorium Maximum (Klingelgasse/Ecke Liboristraße) rund 45-minütige Vorträge aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf aktuelle, gesellschaftlich und theologisch relevante Themen und stellen sich anschließend der Diskussion.

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