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17. Juli 2017

Zeitgenössische Kunst in mittelalterlichen Räumen

Dompropst Monsignore Joachim Göbel und Christa Henn präsentieren die „Fest – Klang – Krone“ in der Bartholomäuskapelle, zu deren 1000 jährigen Jubiläum die Skulptur entstanden ist. pdp / Thomas Throenle Paderborn, 17. Juli 2017. Es ist ein Kreis aus 24 großen, hängenden, fast transparenten Röhren, der inmitten der kleinen Bartholomäuskapelle zu schweben scheint. Zentral im schlichten Sakralraum aufgehängt, ist das Kunstwerk ein Geschenk zu einem besonderen Anlass: 1.000 Jahre Bartholomäuskapelle. „Fest – Klang – Krone“, lautet der Titel der Arbeit, die von der Kölner Künstlerin Christa Henn zum Jubiläum dieser außergewöhnlichen Kapelle entwickelt wurde. Zu sehen ist Sie ab dem 18. Juli 20017.  

Die Künstlerin versteht ihr Werk als Materialisierung von Tönen, als Übersetzung des Kirchenraum-Klangs in skulpturale Kunst. „Christa Henns Installation ist eine ganz eigene Mischung aus tiefer Ruhe und kräftiger Dynamik. Sie setzt ein Zeichen in diesem wunderbaren Raum, aber sie begegnet ihm auch mit großem Respekt. Diese Krone wird viele Menschen dazu anregen, die Bartholomäuskapelle neu wahrzunehmen“, erklärt Dompropst Monsignore Joachim Göbel. Die Skulptur wirke in der Bartholomäuskapelle „fremd und vertraut zugleich“, sie schwebe im Raum und verleihe ihm eine besondere Würde, so Dompropst Göbel. Wer sich in die Mitte der Skulptur stelle, werde selbst gekrönt.      

Blautöne wie Himmel und Meer  

Der kleine, bescheiden wirkende Hallenbau an der Nordseite des mächtigen Paderborner Domes ist ein mittelalterliches Kleinod. Die Kapelle ist in ihrer Form einzigartig nördlich der Alpen und hat eine eindrucksvolle Akustik. „Mich hat die klare Schönheit des Raumes tief berührt“, sagt Christa Henn. Die Künstlerin hat ein Werk geschaffen, das – je nach Lichteinfall – mit seinen unterschiedlichen Blautönen an Wasser erinnert, aber auch an die Farbtöne des Himmels. Es ist durchscheinend und trotz seines Durchmessers von etwa zwei Metern wirkt es filigran.      

Röntgenbilder als künstlerisches Material  

Das ist auch dem speziellen Werkstoff geschuldet, mit dem Christa Henn seit Anfang der 1990er Jahre arbeitet: Es sind Röntgenbilder, jedes für sich Teil eines lang zurückliegenden Blicks ins Innere eines Menschen. Ein Material, das von Vergänglichkeit und Verletzlichkeit, aber auch von Heilung erzählt. Bei genauem Hinsehen sind, trotz vielfältiger Bearbeitung, Körperteile erkennbar, doch das Ganze bleibt geheimnisvoll und es reagiert auf das Licht, das durch die hochgelegenen Rundbogenfenster der Kapelle einfällt. Etwa 2.500 Röntgenaufnahmen hat Christa Henn für die Paderborner Skulptur verarbeitet, beschnitten, neu zusammengesetzt.      

Christa Henn zeigt weitere Exponate im Kreuzgang des Hohen Dom zu Paderborn. pdp / Thomas Throenle Ausstellung im Kreuzgang  

Zeitgleich stellt sie im nahegelegenen Kreuzgang des Paderborner Doms aus. Hier sind – quasi retrospektiv – ein Dutzend Werke aus den letzten 20 Jahren ihres Schaffens zu sehen. Zu ihnen gehört „Homo Ludens“, der spielende Mensch, eine große, ovale Arbeit mit Reliefcharakter und beeindruckender Präsenz. Die Materialität dieses Exponats ist dominant. Hier nimmt ein voluminöser Leimauftrag großen Teilen des Werkstoffs seine Durchlässigkeit und weißes Silikon, erstarrt in kristallinen Formen, lässt geheimnisvolle Strukturen auf der Oberfläche entstehen.  

„Konnex“, so der Titel einer weiteren Arbeit, besteht aus kleinen Zementtafeln, in denen ovale, zellförmig wirkende Teile von Röntgenaufnahmen zu sehen sind. Die einzelnen, 24 mal 30 cm großen Platten stehen jeweils für den „Lebensraum“ einer Person. „Jeder hat hier gleich viel Platz und jedem steht die gleiche Wertigkeit zu“, erklärt Christa Henn. „Röntgenbilder lassen einerseits einen intimen Blick ins Innere zu, geben anderseits aber keine Auskunft zu den üblichen Orientierungsmerkmalen, beispielsweise Hautfarbe, Herkunft, Religionszugehörigkeit.“  

Die Installation in der Bartholomäuskapelle ist vom 18. Juli bis Ende Dezember 2017 zu sehen.      

Die Künstlerin  

Die gebürtige Kölnerin Christa Henn (*1957) studierte zunächst Architektur an der Kunsthochschule Bremen, wandte sich aber bald der bildenden Kunst zu und schloss ein Studium an der Kunsthochschule Köln an. Ihre Werke treten häufig in Beziehung zum Raum. Seit Anfang der 90er Jahre arbeitet sie mit Röntgenaufnahmen. Diesen Werkstoff setzt Christa Henn ebenso für kleine Collagen auf Papier, wie für Objekte aus einem Materialmix oder raumgreifende temporäre und permanente Installationen ein. http://www.christa-henn.com  

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