Die Geschichte der Bartholomäuskapelle

Im Schatten des Hohen Domes liegt ein besonderes Juwel der Paderborner Kirchenlandschaft versteckt: die Bartholomäuskapelle. Sie ist das einzige Bauwerk des Paderborner Bischofs Meinwerk (im Amt 1009-1036), das bis heute fast unversehrt erhalten ist – eine Kapelle mit herausragender Geschichte und zahlreichen Besonderheiten.

Das genaue Baujahr ist nicht bekannt; es könnte um 1017 gewesen sein. In den Quellen gibt es eine mysteriöse Andeutung: Meinwerk habe die Kapelle durch „griechische Bauleute“ errichten lassen. „Griechisch“ heißt hier wohl, dass sie byzantinische Wurzeln hatten. Die genaue Identität der Bauleute wie auch des Architekten bleibt in Dunkel gehüllt.

Ebenso können wir nur Vermutungen darüber anstellen, wofür die Kapelle eigentlich gedacht war. Vielleicht diente sie der Festkrönung des Königs an hohen Feiertagen, sodass er gekrönt über den Pfalzplatz in den Dom einziehen konnte. Auch als Aufbewahrungsort  für die Reichsinsignien (das Reichskreuz, das Schwert, die heilige Lanze etc.), die der Hof mit auf Reisen führte, kommt die Kapelle in Frage.

Mit dem Rückgang der Königsreisen verfiel auch die Pfalzanlage.
Ab dem 16. Jahrhundert feierten die Jesuiten in der Bartholomäuskapelle Gottesdienste. Nach der Säkularisation verfiel sie und wurde zeitweise sogar als Werkstatt genutzt. Auf Betreiben des 1824 gegründeten Paderborner Altertumsvereins wurde sie renoviert.
Ab 1920 belebte die katholische Jugendbewegung die Kapelle neu.Die „Quickborner“ und „Kreuzfahrer“ feierten hier regelmäßig ihre Messen.

Die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges überstand die Bar­th­olomäuskapelle relativ unbeschadet. 1955/56 wurde sie restauriert, und 1978 erhielt sie die Bronzetür des Vellerner Bildhauers Heinrich Gerhard Bücker, die Heilige und weitere Persönlichkeiten aus Meinwerks Umfeld darstellt.

Die Kapelle ist dem hl. Bartholomäus geweiht, einem der zwölf Apostel, über dessen Leben wir nichts Näheres wissen. Wahrscheinlich bekam Meinwerk die Idee für dieses Patrozinium, genauso wie für die Bauform, auf einer seiner Romreisen.

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